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Natürliche Walddynamik am Quitschenberg

Biotop · Harz · 865 m
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  • Großer Fichtenborkenkäfer
    Großer Fichtenborkenkäfer
    Foto: K. John, Nationalpark Harz
Sie haben den Quitschenberg erreicht. Quitsche, das ist der Harzer Name für die Eberesche, auch Vogelbeere genannt. Die Eberesche ist eine typische Pionierbaumart, das heißt, sie besiedelt rasch die von Windwürfen oder Borkenkäferfraß geschaffenen Waldlichtungen. Hier am Quitschenberg hat es 1991 einen großen Windwurf gegeben, in dessen Folge sich der Buchdrucker, eine Borkenkäferart, massenhaft vermehren konnte und den alten Fichtenwald großflächig zum Absterben brachte. Nicht genug, dass Sturmböen in immer kürzeren Zeitabständen durchs Kronendach pflügen, verschlingt nun auch ein Millionenheer kleiner Insekten Fichte um Fichte. Unscheinbare winzige Käfer können - einmal eingebohrt - selbst den stärksten Baumriesen fällen. Das Zerstörungswerk des Borkenkäfers schreitet mit unheimlicher Lautlosigkeit voran. Lange bevor eine Fichte Anzeichen einer Schädigung erkennen lässt, ist ihr Niedergang bereits besiegelt. Findet man zunächst nur winzige Einbohrlöcher, so sammeln sich allmählich mehlfeine Rindenspäne am Stammfuß. Erst wenn die Käferlarven ihre Fraßgänge durch die Wachstumsschicht des Baumes treiben, werden die Nährstoff führenden Versorgungskanäle durchtrennt. Als erstes bemerken Spechte die Veränderung. Doch so sehr die Spechte jetzt auch hämmern und die Stammoberfläche von Kopf bis Fuß nach Käfern und Larven absuchen – tausende Jungkäfer verlassen die Brutstätte und schwärmen aus zum Neubefall, zur Gründung einer neuen Käfergeneration. Der Baum zehrt von seinen Reserven, solange es geht, doch letztlich vertrocknen die Nadeln, verfärben sich rostrot und rieseln als Nadelregen zu Boden. Die Borke platzt in handtellergroßen Stücken ab. Den erstarrten Baumskeletten fehlt jede Elastizität. Gewitterregen, Schneelast und Wind entreißen den Kronen Äste – letztlich brechen die Stämme und bilden einen wirren Verhau am Waldboden. Niedergang und Zerfall des alten Waldes wirken gleichzeitig wie ein Signal für all jene Pflanzen- und Tierarten, die unter dem beschattenden Kronendach mehr schlecht als recht durchgehalten haben. Lichthungrige wärmeliebende Tiere und Pflanzen sind die Gewinner der Entwicklung. Pilze können holziges Material zermürben und morsches Holz zu Moder verwandeln. Zahlreiche Insekten ernähren sich wiederum vom Eiweiß der Pilzfäden. Faulig modriges Holz saugt viel Feuchtigkeit auf, weshalb sich Molche, Salamander oder Blindschleichen darin vor der Sommerhitze verkriechen können. Käferlarven nagen sich lange Gänge ins Stammholz. Darin finden wiederum Fliegenmaden oder Holzbienen eine Unterkunft. Bruchholz ist für Ameisen attraktiv. Ganz besonders eignen sich gestürzte Stämme als Sonnenplatz für Waldeidechse oder Kreuzotter. Der Luchs nutzt sie als bequeme Brücke über den Verhau. Auf einer vermeintlichen Katastrophenfläche wie einst am Quitschenberg wächst ein Schlaraffenland heran. Weidenröschen und Himbeeren wuchern. Ganze Teppiche von Heidelbeersträuchern breiten sich aus. Pionierbäume wie Vogelbeere und Holunder, Birke und Weide schießen in die Höhe. Die Kombination aus Sonnenwärme, Totholz- und Blütenangebot ist Voraussetzung für das Vorkommen von Hummeln, Wildbienen, Bockkäfern und Schmetterlingen. Zu den Gewinnern der Szene gehören auch Mäuse, die wiederum Raufußkauz, Mäusebussard und Fuchs anlocken. Wer Natur in ihrer ureigenen Charakteristik schützen will, muss nicht nur akzeptieren dass sie in stetem Fluss ist – sich permanent verändert. Man muss auch erkennen, dass die Natur eine viele Millionen Jahre währende Entwicklung durchlaufen hat und über eine Vielzahl erprobter "Rezepte" zur Bewältigung von Katastrophen verfügt. Schließlich haben auch Wälder über vielen Millionen Jahre erfolgreich überlebt trotz Borkenkäfer, Sturm, Waldbrand oder Wildverbiss. Der Nationalpark Harz bietet die Chance, natürliche Entwicklungen zuzulassen und setzt Vertrauen in die Wege der Natur.

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Großer Fichtenborkenkäfer

Koordinaten

DD
51.795658, 10.571639
GMS
51°47'44.4"N 10°34'17.9"E
UTM
32U 608381 5739479
w3w 
///regelung.altertum.freches
Anreise mit der Bahn, dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad

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